Was ist denn nun mit Engel 3.0?

Von der Misere der verschollenen, wiedergefundenen und dann doch kaputten Daten

 

Als ich mich mit Patric Götz im Sommer 2014 zu einem dieser Redaktionstreffen traf, um über Privates, Fate und den neuesten Flurfunk zu sprechen, wusste ich nicht, welche Höhen und Tiefen Engel für das Team und mich bereit hält.
Hätte ich es gewusst, würde Ich Engel dennoch redaktionell betreuen?
Ich weiß es nicht.
Wahrscheinlich Ja.
Wenn am Ende 4 tolle Bücher im Schrank stehen, ist alles vergessen und der Stolz bleibt. Aber soweit sind wir noch nicht. Wir stecken knietief im Schützengraben denn 2019 sind wir immer noch nicht soweit, die Wiederveröffentlichung eine der kreativsten, originär deutschen Rollenspielhintergundwelten zu verkünden. Wohl aber auf der Kurve vor der Zielgeraden. Und darum soll es sich heute drehen. Ich will Euch von den Höhen und Tiefen erzählen und warum wir seit 2014 an Engel werken.

Kurz nach besagtem Treffen sprachen wir in besagtem Jahr auf der RPC zu Kölle mit Oliver Hoffmann von Feder&Schwert über Engel und Fate und diese heilige Allianz. Das Ende vom Lied?
Die Bildung einer neuen Engel-Redaktion für ein Engel 3 mit Fate-Regeln.

Ein Team zu bilden war einfach, schließlich gibt es einige Engel-Fans dort draußen und einige davon arbeiteten entweder schon in einer Rollenspielredaktion oder brachten das Rüstzeug dafür mit.

Das Rüstzeug …

Ein Team zu halten, das ob dieser Mammutaufgabe nicht aufgibt, ist dagegen nicht ganz so einfach. Diesen Moloch an Informationen zu sichten, neuzuordnen, Redundanzen zu streichen, ungewollte Widersprüchlichkeiten zu tilgen, gewollte Widersprüchlichkeiten zu prüfen und zu verstärken, Regelmechaniken zu finden, zu prüfen, zu testen, wieder zu verwerfen und nochmal zu diskutieren und dabei aber den Zielkorridor im Blick zu behalten, Altes zu bewahren und Neues im Geiste von Engel zu schaffen, zwang den ein oder anderen in die Knie.
Natürlich. Die Rüstung muss was vertragen und die kann schwer sein.
So eine Aufgabe in der Freizeit zu bewerkstelligen, erfordert schon besonderes Herzblut und Hingabe an eine Rollenspielwelt. Aber nur, wenn du brennst, und erst wenn’s schmerzt, wird’s halt auch geil. Ist nicht nur im Sport so …
Letzten Endes bildeten wir 3x fast vollständig ein neues Team. Ein ganz, ganz harter Kern blieb, und seit Sommer 2016 haben wir eine konstante, eingespielte Engel-Redaktion mit beachtlicher Ambition und nicht minderen Qualitätsanspruch an Engel. Seitdem geht auch richtig was vorwärts. Davor hatten wir etliche Probleme zu lösen und einige davon begleiten uns noch bis heute.

An dieser Stelle mal ein großes Danke an Sarah Zimmermann, die die Bandredaktion übernommen hat und mir nicht nur den Rücken in vielen Dingen freihält, sondern die Dinge leitet, wie ich es nicht kann.

 

Aber zurück zum Thema. Im November 2015 wurden Gerüchte laut, dass die vom Uhrwerk Verlag in Lizenz von Feder & Schwert verlegten Engel-Regelwerke eine neue Edition erhalten. Auf der Spielemesse entdeckten die Teilzeithelden und Mitglieder im Tanelorn einen Messebanner. Selbst im DorpCast wurde kurz darüber gesprochen. Seitdem wartet der ein oder die andere sehnlichst auf Engel. Und wir haben nichts besseres zu tun als euch zu vertrösten?

Leider stellte sich heraus, dass die Werbung ein wenig verfrüht war.
Wir schürten zu Recht Hoffnung und ließen Eure Erwartungshaltung hängen. 4 Jahre später immernoch kein Engel.

So ein Teambruch hat immer schwerwiegende Folgen. Zum einen verlässt die einzelne Persönlichkeit das Team zum anderen geht aber auch Wissen, Erfahrung und Kompetenz. Es bedeutet aber auch, sich wieder neu zu finden, zu sortieren und aufeinander einzustimmen. Das kann Vorteile mit sich bringen, ist in jedem Fall aber anstrengend und zeitraubend.
Bei Teams, die, wie im Rollenspielbereich üblich, in Ihrer Freizeit solche Projekte stemmen, bedarf es noch mehr Zeit das zu bewerkstelligen, als in Teams, die im Tagesgeschäft so etwas schneller kompensieren.

Engel, du Datenmoloch

Es wäre schön, wenn der Informationswust und die gestellte Aufgabe an sich das einzige Problem auf dem Weg zur 3. Edition von Engel gewesen wären. Wir reden hier schließlich von 10 Jahren geschriebenem Engelmaterial. In Zahlen bedeutet das 1502 A4 Seiten für das Rollenspiel und 2255 Romanseiten, sowie einige Seiten interner Dokumente und Leitfäden.

 

Als es an das Sichten der Texte ging, waren erst Daten verschwunden und nur langsam und mühsam konnte man die digitalen Druckvolagen der Regelwerke an die Oberfläche zerren, um aus diesen wieder Rohtexte zur Weiterverarbeitung zu machen. Das ein oder andere Konvertierungsproblem trat ebenfalls auf und so vergingen Zeit und Nerven bis alle Daten vorhanden waren und man wirklich arbeiten konnte. 10 Jahre alte Daten aufzubereiten, aus geschlossenen pdf-Daten bzw. veralteten Layoutprogrammen, die keiner mehr aktiv auf dem Rechner hat, zu Rohtexten zu machen, lassen den Wunsch an der Mauer der Realität zerschellen.
Ein Servercrash bei Feder und Schwert hatte zur Folge, dass eben nur ein kleiner Teil an Layoutdaten zur Verfügung stand und das meiste wenn überhaupt als Druckpdf vorhanden war.
Am Ende waren wir siegreich.
Fast…

Wir wollten auch die Romane in unsere Arbeit mit einbeziehen, da diese zum kanonischen Gesamtwerk gehören. Doch die waren ebenfalls weg und die Romane der einzelnen Teammitglieder hingen langsam in Fetzen. Zudem erleichtert das Blättern in einem Roman nicht gerade die Suche nach Aussage X von NSC Y über Ereignis Z. So arbeiteten wir aber über Wochen. Mitglieder im Team lasen die Romane immer und immer wieder. Über Monate wurden diese Daten gesucht. Alte Mitarbeiter und Firmeneigner (Ihr erinnert euch: F&S wurde 2016 von Uhrwerk gekauft) befragt, ob auf deren privaten Rechnern und Datenträgern noch die Romane oder Engeldaten liegen.
Keine Chance.
Also alte Romane zerschneiden und zu einem Unternehmen bringen, um diese via OCR so einzuscannen, damit diese in digital lesbarer Form vorliegen. Da die Romane eh neu aufgelegt werden sollten, eine ohnehin gute Idee. Wahrhaftig (SCH´schwöre!) eine Stunde, bevor ein Uhrwerker die Bücher zum scannen bringen wollte, findet Oliver Graute alle Engel Romane auf einem alten USB-Stick und lädt diese auf einen ftp. Wir konnten nun besser weiterarbeiten.

Mit Riesensprüngen…

…in den Abgrund

Wir haben von Anfang 2017 bis Ende 2018 sprich in eineinhalb Jahren fast 80% des Outputs liefern können seit Beginn den Projektes. Wir waren nicht untätig aber in diesen 2 Jahren ging halt einfach sehr viel, sehr viel schneller. Das erzähle ich euch nur, um zu zeigen, mit welch Riesenschritten wir in den letzten 2 Jahren vorangekommen sind. Doch sind wir nicht vor Rückschlägen gefeit. Denn die Engel Layoutdaten sind weiterhin verschollen, kaputt, nicht komplett oder existieren als veraltete Versionen.

 

Nicht so schlimm!

Wir wollen Euch ohnehin ein neues Layout präsentieren.

oder vielleicht doch?

Doch leider wirkt sich das auch auf die Illustrationen aus! Der Servercrash hat eben auch diese finalen Daten mitgenommen. Aus Druckpdfs die Illustrationen extrahieren funktioniert aus diversen Gründen nicht (Kompression, Downsampling, Cropping  etc.)

Was bleibt?

Also alle alten Illustratoren kontaktieren und wahrscheinlich in mühevoller Kleinarbeit die Illustrationen und richtigen Versionen zusammentragen. Sofern du alle Illustratoren kontaktieren kannst und sie die Daten noch haben und herausgeben.

 

Ein Hoffnungsschimmer

Auf einem alten F&S-Rechner existiert ein 10 Gig großes Engel Zip-Paket.
Leider lässt sich dieses weder öffnen noch kopieren. Wir werden hier Leute auf den Plan rufen, die von Datenrettung Ahnung haben, in der Hoffnung, dass diese Datei das birgt, was wir suchen. Sonst bleibt uns nur die mühevolle Puzzlearbeit mit allen Illustratoren.

 

Der Stand der Dinge

Die Regeln stehen im 3. Draft und wir feilen nur noch an kleinsten Teilen.

Da die Texte gesichtet, neugeordnet und die weiteren Textarbeiten fast vollständig abgeschlossen sind, gilt es nun, “nur” noch die Texte zusammenzuführen und mit neuen Texten zu verbinden bzw. generell neue Inhalte oder Klarstellungen zu schreiben.

Dazu zu sagen, dass es schnell erledigt wäre, ginge zu weit, aber nun gibt es eine Struktur und einen Plan, nach dem man handeln kann. Das Team hat die Aufgaben verteilt und kann endlich arbeiten, ohne zurückgeworfen zu werden. Von den einstmals stolzen Mitstreitern ist noch eine Handvoll geblieben, die die Höhen und Tiefen mitgetragen hat und weiter mit Feuereifer an der Sache bleibt. Vier Bücher sollen es werden, das erste steht bald, die Texte für weitere werden schon geschrieben.
Der Kickstarter wird uns beweisen, ob es schließlich wert war, durch das Brandland selbst zu ziehen, um diese vier Bücher auf den Markt zu bringen, aber das werden wir wohl sehen, wenn es soweit ist. Bis dahin ruft die Arbeit uns zur Feder.

 

Von jetzt an zumindest wissen wir, was noch auf uns zukommt und ihr werdet bald also öfter von uns hören. Wie es steht, wie es weitergeht.

Einfach, damit es nicht still ist.

 

Numquam Silentium

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