Tianxia #11: Das Wertesystem der Xia

Er schätzt den Staat, Freundschaft, Pflicht, Versprechen, Güte, Rache, Ehre und Rechtschaffenheit mehr als sein Leben.

— Liang Qichao

In The Chinese Knight-Errant werden die acht üblichen Eigenschaften des Xia als Altruismus, Gerechtigkeit, Individualismus, Loyalität, Mut, Wahrhaftigkeit, Desinteresse an Wohlstand und den Wunsch nach Ruhm definiert. Abgesehen vom Individualismus sind das die typischen Eigenschaften des konfuzianischen Junzi (Edelmann). Der Junzi verkörpert alle Eigenschaften eines konfuzianischen Edelmannes, darunter: Ren (Güte), Zhong (Loyalität), Yong (Tapferkeit) und Yi (Rechtschaffenheit). Das Desinteresse an Reichtümern war eine Folge der (nord)chinesischen Verachtung für Kaufleute und wurde durch Großmut, oder Gleichgültigkeit gegenüber wirtschaftlichem Profit, ausgedrückt. Somit ist der Xia in vielerlei Hinsicht nur eine Erweiterung chinesischer Moralvorstellungen. Wenige konnten den Standards der Junzi entsprechen, doch wurde es als Ideal gesehen. Die besten Xia versuchten es, doch die meisten hatten menschliche Schwächen. Somit waren nicht alle Xia selbstlos, und viele waren auf Besitz aus. Oft war ihr Gerechtigkeitsempfinden subjektiv, und sehr oft nur Rache. Ihr Gerechtigkeitssinn (und ihre Selbstlosigkeit) könnten auch als Teil eines Ehrenkodex betrachtet werden, der bestimmte Elemente von Li (Ritterlichkeit, Anstand) verkörpert. Adelige Xia verkörperten Ritterlichkeit, und sogar schurkische Xia würden ritterlich mit jenen umgehen, von denen sie glaubten, dass sie das Konzept der Ehre begreifen würden. Loyalität war eine Tugend, die alle Xia definierte, aber sie basierte auf dem oft ignorierten Prinzip des Gebens und Nehmens. Ein Xia, der nicht mit dem ihm gebührenden Respekt behandelt wurde, empfand keine Verpflichtung, seinem Gönner mit Eifer zu folgen. Dies war nicht die blinde Loyalität, von der Konfuzius sprach. Die Tapferkeit der Xia war die eines Kämpfers, und seine Wahrhaftigkeit war nicht immer Ehrlichkeit. Sie hatte mehr damit zu tun, den Ruf zu wahren, dass ein gegebenes Wort heilig sei, und konnte oft zu Sturheit werden. Selbst der Wunsch nach persönlichem Ruhm war nicht unter allen Xia verbreitet. Einige waren der Ansicht, dies widerspreche dem Geist von Wude (kämpferischer Tugend), der zu Bescheidenheit und Nachsicht mahnte.

Was einen Xia wirklich von der Gesellschaft absetzte war der Wert, den er auf Individualismus legte, und seinen Willen, Gewalt zum Erreichen seiner Ziele zu nutzen. Somit waren Xia, auch wenn die meisten ihrer Überzeugungen sehr angepasst  waren, ein Teil der Gegenkultur. Der Individualismus der Xia manifestiert sich als Unangepasstheit in der Sicht auf bestimmte traditionelle Konventionen. Die Xia wurden dafür kritisiert, persönliche Loyalität über Familienloyalität zu setzen. Oft war ein Eid gegenüber einem Fremden wichtiger als die unausgesprochene Verpflichtung zwischen Familienmitgliedern. Das war ein schwerer Verstoß gegen konfuzianistischen Anstand. Was die sozialen Konventionen noch mehr verletzte war, dass viele Xia keine Achtung vor Autorität hatten. Jene, die eigentlich sozial über ihnen standen, wurden oft mit offener Verachtung behandelt, während die, die einen bescheidenen Status hatten, große Höflichkeit empfingen. Einige deuten dieses Verhalten mit Rebellion, aber in vielen Fällen entsprang es einem Gefühl der Gleichheit. Die Xia legten mehr Wert auf die Individuen als auf das, was sie als willkürliche Etiketten von Familie und Status betrachteten, und hatten kein Problem damit, solche Vorstellungen herauszufordern.

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