Tianxia #23: Samurai – Neue Stile

Die Kampfkünstler von Shenzhōu sind sicher stolz ihre Martial-Arts-Tradition. Fragt nur den letzten Teehausschläger, der mehr unter dem selbstgefälligen Grinsen eines Xia gelitten hat als unter dessen schwungvollen Tritten. Einem solchen Kung-Fu-Snob vergeht das Lachen, sobald er sich gegen den exotischen Kampfstil eines Samurai wehren muss. Kampfkunst überspannt Grenzen und Kulturen – die Element- und Körperstile des Kaiserreiches werden bei den Samurai des Ostens mit ebensolchem Eifer unterrichtet wie in den Dojos in Zhōngzhōu. Darüber hinaus hat die Kriegerkultur jenseits des Meeres einige einzigartige Stil hervorgebracht. Viel Raum für philosophischen Disput also, der mit Vorliebe mit Faust und Klinge ausgetragen wird: Wenn Wuxia auf Chanbara trifft, fliegen eben die Fetzen.

Neuer Element-Unterstil

Prinzipiell sind alle Element-Unterstile Shenzhous auch den Samurai der östlichen Reiche bekannt (mit einer gewissen Dominanz der „unaufgeregteren” Stile wie Stein, Geist und Eisen). Dazu kommt allerdings noch ein weiteres Element, im Kaiserreich kaum beachtetes Element, das im Selbstverständnis der Samurai hingegen eine wichtige Bedeutung hat.

Leere

Alternative Bezeichnungen: Tod, Nichts, Stille, Schweigend

Die Shi, die in den verstaubten Archiven der kaiserlichen Hauptstadt tagein tagaus die Gestalt des Universums zerdenken, sehen im Element Leere einfach eine Überzeichnung des Geist-Elements – wie diese Barbaren im Osten immer alles übertreiben müssen. Die Shinshoku im Schrein der Morgenflamme würden entschieden widersprechen. Aber so genau wissen können sie es auch nicht. Die Leere (in der Sprache der Samurai-Reiche auch Kū” genannt) liegt außerhalb allen Wissens und aller Existenz. Im Gegensatz zum Geist-Element, das auf die Existenz von Göttern, dem Himmel und der Seele verweist, ist die Leere alles das, was nicht ist. Kämpfer, die die Leere verinnerlicht haben, erkennt man an ihrer absoluten Todesverachtung und Disziplin. Sie leben im Augenblick und durchdringen den Gegner mit ihren Blicken, scheinbar regungslos, bis zu dem Moment, wo sie abrupt tätig werden. Schmerzen und Verletzungen bedeuten ihnen nichts.

Leeretechniken

Leere zwischen zwei Augenblicken: Für jede Zone, die der Gegner vor seinem Angriff gegen dich zurücklegen musste, erhältst du einen Bonus von +1 auf deine Verteidigung.

Nichtigkeit des Seins: Wenn dein Gegner dich erfolgreich im Nahkampf oder Fernkampf angreift, darfst du geistige Stresskästchen statt körperlichen abstreichen. Du darfst den körperlichen Stress sogar auf beide Leisten verteilen. In jedem Fall musst du allerdings 2 zusätzliche Kästchen abstreichen und darfst auch keine geistigen Konsequenzen nutzen, um körperlichen Stress aufzufangen.

Leere füllt den Raum: Du kannst Chi anstelle von Wahrnehmung verwenden, um deine Umgebung und die Personen darin zu beobachten und einzuschätzen. Du erhältst einen Bonus von +2, wenn die Fertigkeiten Chi und Wahrnehmung denselben Wert haben oder Wahrnehmung einen höheren Wert besitzt.

Neue Körper-Unterstile

Man könnte meinen Kampfkünstler täten nichts lieber als wilde Tiere zu beobachten und ihre Verhaltensweisen in durchschlagende Kung-Fu-Manöver zu übersetzen. Was dabei herauskommt ist natürlich stark davon abhängig, welche Tiere zur Verfügung stehen. Die exotische Fauna der östlichen Inseln bietet eine Menge Anschauungsmaterial, aus dem die Bewohner der Samurai-Reiche interessante wie tödliche Kampfstile destilliert haben.

Hier sei gesagt, dass sich die Praktizierer dieser Stile, gerade in den Reihen der Samurai, lieber scharfe Waffen als Fäuste und Füße sprechen lassen. Neben dem Katana und dem Wakizashi, dem langen und kurzen gekrümmten Schwert, sind die folgenden Waffen gebräuchlich:

  • Die Naginata, eine gekrümmte Schwertlanze
  • Die Kama, eine Handsichel, manchmal auch an einer Kette befertigt
  • Der Ōtsuchi, ein breiter Holzhammer
  • Die Ono, eine schwere Handaxt
  • Das Sai, eine Metallgabel mit einem langen und zwei kurzen stumpfen Zinken
  • Der Kanabō, ein schlanker, zweihändiger Streikolben
  • Der Tessen und der Gunpai, Kampffächer aus Holz oder Eisen

Selbstverständlich existieren alle der hier vorgestellten Stile auch in unbewaffneten Varianten.

Wolf

Alternative Bezeichnungen: Hund, Wächterlöwe, Ruishi

Wie die starken Kiefer eines ausgehungerten Wolfsrudels beißen sich Kämpfer dieses Stils an ihrem Gegner fest. Phasen der Einschüchterung durch Androhung von Gewalt wechseln sich mit schnellen, kraftvollen Hieben ab. Dabei begibt sich der Wolfskämpfer freiwillig nah an den Gegner heran und nimmt ihm so seine Bewegungsfreiheit. Nur zu gerne offenbart der Wolfskämpfer dabei eigene Lücken, um den Gegner zum Angriff zu provozieren – scheinbare Lücken, denn wenn sich die Kontrahenten erst einmal im Infight befinden, lässt der Wolfskämpfer nicht mehr von ihm ab.

Wolfstechniken

Wolf fletscht die Zähne: Erhalte einen Bonus von +2, wenn du mit Provozieren oder Wille einer Vorteil erschaffst, der darauf basiert den Gegner einzuschüchtern oder aus der Reserve zu locken.

Wolf steht gegen die Wand: Wenn du eine körperliche Konsequenz erleidest, erhältst du selbst einen freien Aufruf auf diese Konsequenz, den du für einen Bonus nutzen kannst.

Wolf zerstreut die Herde: Wenn du mit Kämpfen einen Mob angreifst, erhältst du bei einem erfolgreichen Angriff immer einen Schub zusätzlich. Bei einem vollen Erfolg musst du somit den Stress nicht um 1 reduzieren, um den Schub zu erhalten.

Schmetterling

Alternative Bezeichnungen: Motte, Biene

Schnelligkeit und disziplinierte Anmut bestimmen den Kampfstil eines Schmetterlingskämpfers – sobald er denn handelt. In der Tat halten sich viele Schmetterlingskämpfer mit großen und ausladenden Bewegungen zurück. Stattdessen passen sie den richtigen Moment ab und führen dann eine Serie aus blitzartigen, linearen Schlägen aus, die an flatternde Fügel gemahnen, bevor sie, ausatmend, wieder eine meditative, stille Haltung einnehmen. Bei den Samurai ist dieser Stil sehr beliebt und bei den Meister unter ihnen wirkt das Ziehen, Zuschlagen und Wegstecken des Schwert wie eine einzelne, fließende Bewegung.

Schmetterlingstechniken

Schmetterling ruht auf der Blüte: Wenn du in der Runde keine Zonenbewegung durchführst, erhältst du einen Bonus von +2 auf Kämpfen, wenn du angreifst.

Schmetterling entfaltet die Farben: Wenn ein Gegner mit einem vollen Erfolg einen Vorteil gegen dich erschafft, darfst du 1 Kästchen körperlichen Stress heilen.

Schmetterling zerreißt den Kokon: Wenn du einen Gegner angreifst, den du in diesem Konflikt noch nicht angegriffen hast, und dabei eine Konsequenz anrichtest, dann muss der Gegner die Konsequenz der nächsthöheren Stufe nehmen (z.B. eine mittlere Konsequenz statt einer milden Konsequenz). Hat der Gegner keine weiteren Konsequenzen mehr zur Verfügung, scheidet er aus dem Konflikt aus.

Fuchs

Alternative Bezeichnungen: Marderhund, Tanuki

Auf den Inseln im Osten der Küste Shenzhōus gilt der Fuchs als Tier, das der Sphäre der Götter und Unsterblichen am nächsten steht. Ein Störenfried und Plagegeist ist er trotzdem. Fuchskämpfer sind ebenfalls bekannt für ihren sehr spontanen, ungezwungenen Kampfstil, der vor allem auf Verwirrtaktiken und Ausweichmanövern basiert. Anders als der Affenkämpfer springt der Fuchskämpfer dabei aber nicht hemmungslos umher, sondern setzt auf kleine Bewegungen und ein strahlendes Selbstbewusstsein.

Fuchstechniken

Fuchs neckt den Jäger: Wenn ein Gegner dich mit einem vollen Erfolg angreift, erhältst du einen Schub gegen ihn.

Fuchs putzt seine neun Schweife: Wenn ein Gegner einen Vorteil gegen dich einsetzt, der darauf basiert, dich zu verwirren oder zu betäuben, ist der Bonus, den er dadurch erhält um 1 geringer.

Fuchs springt ins Dickicht: Wenn du einen vollen Erfolg bei der Verteidigung erzielst, darfst du dich zusätzlich zum Schub den du erhältst noch 1 Zone bewegen.

Beispielstile

Zum Schluss noch ein paar Kombinationsmöglichkeiten. Was weitere angeht verlasse ich mich ganz auf eure Kreativität.

Eisenwolf

Eisenwolf-Form

Meister des Eisenwolfs haben gelernt, ohne Rücksicht auf Verluste oder das eigene Leben zu kämpfen. Sie werfen sich den Schlägen ihrer Gegner regelrecht entgegen und nutzen Griffe und Schwitzkästen, um auch die härtesten ihrer Kontrahenten zu Fall zu bringen und dann über sie herzufallen. Dabei bleiben sie immer nur einen Armlänge, einen Fußbreit am Gegner, um diesem gar nicht erst die Möglichkeit zu geben, großartige Bewegungen auszuführen – auch wenn der Eisenwolf-Kämpfer selbst dadurch ordentlich einstecken muss.

Geheimtechnik: Eisenzähne zerreißen die BeineDieser brutale Angriff zielt direkt auf den Bewegungsapparat des Gegners. Der Eisenwolf-Kämpfer kommt nah heran, und drängt seinen Widersacher in eine Position der Unbeweglichkeit, bevor er seine Attacken gegen dessen Beine und Unterleib richtet.

Effekt: Gib 1 Fatepunkt aus und mach einen Kämpfen-Angriff gegen das Ziel. Bei Gleichstand oder einem Erfolg erschaffst du den Vorteil Eingeschränkte Bewegung”, zusätzlich zu dem Schaden, den der Angriff anrichtet. Bei einem vollen Erfolg erhält der Vorteil 1 freien Einsatz.

Sturmschmetterling

Sturmschmetterling-Form

Wie das Auge des Sturms kontrollieren Meister des Sturmschmetterling-Stils die Gegebenheiten auf dem Schlachtfeld. Hindernisse umgehen sie, ohne großartige Akrobatik, sondern geradlinig und zielstrebig. Diese Haltung spiegelt sich auch im Kampfstil wieder. Jeder Hieb, Schlag oder Tritt hat ein knappes Timing und ist nur so dynamisch, wie er sein muss. Doch sobald er trifft, wirft er Dinge und Gegner herum und überträgt starke Bewegungen auf alles.

Geheimtechnik: Schmetterlingsflügel rufen den WirbelsturmGib 1 Fatepunkt aus. Du darfst mehrere Ziele in derselben Zone wie du angreifen, ungeachtet ob Mobs oder andere Nichtspielercharaktere. Dazu würfelst du einen Angriff und verteilst die Erfolgsstufen auf so viele Gegner wie du willst – bei einem Ergebnis von +6 kannst du beispielsweise drei gegen mit je 2 Erfolgsstufen angreifen. Dieser Angriffswurf erhält außerdem einen Bonus von +2

Leerefuchs

Leerefuchs-Form

Nihilisitische Scherze und gehässige Verwirrspiele, das verbindet man mit den Meistern des Leerefuchs-Stils. Das allgegenwärtige Grinsen auf dem Gesicht eines solchen Kämpfers ist meist wenig mehr als eine eisige Fassade und nicht wenige Kämpfer dieses Stils bevorzugen furchterregende Masken, die ihre Züge verbergen. Die Handkantenschläge und Hackentritte eines Leerefuchs-Kämpfers scheinen aus dem Nichts zu kommen und zunächst auch nicht zu schmerzen, nur um dann nach einer gefühlten Ewigkeit ihr Ziel mit kalter Pein zu erfüllen.

Geheimtechnik: Fuchsgesicht verlacht das DaseinWenn du eine Konsequenz anrichtest, kannst du den Schmerz zurückhalten. Dein Gegner erleidet die Konsequenz, aber sie bleibt inaktiv und kann in dieser Szene nicht gegen es eingesetzt werden – sie zählt aber, um zu bestimmen, ob der Charakter ausscheidet oder nicht. Bei der nächsten Begegnung mit dem Gegner wird die Konsequenz dann aktiviert und hat sich außerdem um 2 Stufen verschlimmert (aus einer milden wird eine schwere Konsequenz, aus einer mittleren eine extreme). Erst ab dann kann sie behandelt und geheilt werden.

You may also like

Leave a comment