Nest #4: Erfolg mit Haken und Abenteuer schreiben

Die Arbeit an Nest hat mich dazu gebracht, viel über die Funktionsweisen von Fate nachzudenken, das hat meine Meinung zu einigen Themen verändert. Eines davon ist der Erfolg mit Haken.

Ich mag den Erfolg mit Haken, aber im Spiel konnte ich das Ganze immer nur schwer greifen. Die SL muss hierbei zwischen dem Würfelwurf und dem Bekanntgeben des Ergebnisses eine weitere Entscheidung treffen und oft ist mir kein angemessener Haken eingefallen. Außerdem neige ich als SL dazu, übermäßig nachsichtig zu sein und habe dann das Gefühl, es den Spielern zu einfach zu machen. Darum fiel dieser Punkt für mich in die Kategorie „theoretisch eine nette Idee“.

Schreibt man aber ein eigenes Abenteuer, dann sieht die Sache schon ganz anders aus! Fate ist in seinem Kern ein sehr sandkastenartiges System – es lässt sich nie vorhersehen, aus welcher Richtung die Spieler ein Problem angehen werden. In diesem Sinne ist jede Herausforderung ein Entscheidungspunkt: Was kann gut laufen? Was kann schiefgehen? Was ist ihr nächstes Ziel?

Und an diesem Punkt kommt der Erfolg mit Haken ins Spiel. Wenn ich ein Abenteuer ich schreibe, habe ich Zeit, mir verschiedene Konsequenzen zu überlegen. Wenn sie diesen Kerl überzeugen, dann ist er ihr Freund. Wenn sie scheitern, ist er ihr Feind. Bei einem Erfolg mit Haken ist er ihr Freund – aber er wird sich auch tierisch über ihre Ankunft freuen und mit den falschen Leute über sie reden.

Oder anders gesagt: Es ist ein wirklich nettes Werkzeug, um dem Spielverlauf weitere potentielle Richtungen hinzuzufügen.

Nest hat nur deshalb keine Tausende von Szenarien, in denen ein Erfolg mit Haken zum Tragen kommt, weil es eine Textlängenbeschränkung gab und mehr Möglichkeiten schlicht mehr Text bedeuten. Aber es hat definitiv meine Sichtweise auf Begegnungen verändert und mich aus der binären Ja/Nein-Mentalität rausgeholt.

Quelle: Goodwin, David: Success at Cost and Writing Adventures. (31.10.2016).


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2 comments

  • Sidfreund 30. Januar 2017   Reply →

    HeHo,

    vielleicht als verwegener Vorschlag und potentielle Epiphany für künftige Projekte zum Thema Erfolg mit Haken:
    Die SL ist nicht der einzige Spieler am Tisch. In einem Erzälspiel dürfen auch andere ran. 🙂

    Lass doch den betreffenden Spieler oder jemand anderen den Haken beisteuern. Gerade Fate bietet sich sehr an, den Würfelwurf eher als Moderationswerkzeug für Erzählrecht zu betrachten. Dann fühlst du dich auch nicht so als hättest du dem Spieler eins „reingewürgt“. Diese sind oft viel härter zu sich selbst als man meinen sollte.

    Klar, manche Würfe (Recherche, Spuren lesen, etc) müssen durch die SL erzählt werden. Doch wie ein Feuerball den Gegner brutzelt oder eine Konsequenz aussieht – davon hat jeder am Tisch eine Vorstellung. Das ist natürlich nichts für SL mit Allmachtsallüren – die gern ihren Willen durchsetzen. Da passieren manchmal Dinge – die man sich anders vorgestellt hat und einem nicht in den Kram passen. Ganz so als wäre man ein normaler Spieler 😉 Ich finds super, werde überrascht, gefordert und es bleibt spannend und alle am Tisch erzählen eine gemeinsame Geschichte. Oder verliert man, solbald man den Posten des SL mal an einen anderen abgiebt spontan seine Phantasie und sein Gespühr für Weltlogik und Dramaturgie?

    Man vertraue seinen Spielern. 😀 Notfalls hat man ja immernoch das berüchtigte SL-Veto. Liebe Grüße von einem Fan!

    Sidfreund

    • Papa Rabe 7. Februar 2017   Reply →

      Volle Zustimmung. 🙂

      Ich denke, dass es vor allem am Anfang für viele SL ein sehr ungewohntes Gefühl ist, diese „Verantwortung“ abzugeben, selbst für Fate-SL. Aber wenn alle am Tisch in ihrem Verhalten erwachsen sind und miteinander reden, wird man sehr schnell eine gemeinsame Linie gefunden haben und sich dann die Bälle zuzuschmeißen, macht dann noch mehr Spaß. 🙂

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