Eagle Eyes #16: Mysterienkulte in Eagle Eyes

In Eagle Eyes – In den Schatten Roms verkörpern die Spieler Mitglieder einer Geheimgesellschaft. Mit dieser Geheimniskrämerei sind sie in der Antike nicht allein, auch wenn die meisten anderen Zusammenschlüsse mehr einem spirituellen Zweck dienten. In diesem Artikel wollen wir uns dementsprechend Mysterienkulte genauer anschauen und aufzeigen, wie sie Aufhänger für ein Abenteuer sein könnten.

Allgemeines zu den Mysterienkulten
Viele Römer jener Zeit hatten ein Problem: Der übliche Ahnenkult, anhand dessen sie ihre Abstammung bis zu den Göttern zurückverfolgten, reichte nicht länger aus, um die wichtigen Fragen nach dem Leben, dem Tod und dem, was danach kommt, zu beantworten. Diese spirituelle Sinnkrise linderten die Mysterienkulte, in denen Götter angebetet wurden, die den Menschen näher zu stehen schienen. Etwa, weil sie einst Menschen waren und dann den Status eines Gottes erlangten oder als solcher wiedergeboren wurden.

In diesem Streben war es nicht länger von Bedeutung, woher diese Götter ursprünglich stammten. Es konnten auch Götter aus anderen Ländern sein, darunter z. B. Isis und Osiris aus Ägypten oder der griechische Gott Dionysos. Diese wurden dann entweder direkt so angebetet oder mit bereits bestehenden Göttern verbunden. Oft waren es Legionäre, welche einen Großteil der bekannten Welt bereist hatten, die diese Kulte nach Rom und darüber hinaus in den Rest des römischen Reichs brachten.

 

Aber ist das auch historisch korrekt?

Jetzt liegen Kulte wie der des Liber Pater, der Mithraskult oder der Kybele- und Attiskult meistens vor allem zeitlich, aber auch – wie im Falle der samothrakischen Mysterien – örtlich außerhalb dessen, was Eagle Eyes – In den Schatten Roms im Kern abbildet. Wie aber sowohl im Settingband, als auch an anderer Stelle in dieser Artikelreihe erwähnt, sollte man sich davon nicht abhalten lassen. Vor allem, da die Kulte in diesem Punkt einen enormen Vorteil bieten.

Ihr ganzer Sinn und Zweck fußt per se auf Geheimniskrämerei, weshalb die Spielleitung ohne schlechtes Gewissen sie eben dort auf eine Weise ins Spiel einbauen kann, wo und wie es der Geschichte am zuträglichsten ist. Und wenn der Kult eigentlich erst 200 Jahre später in Erscheinung trat? Nun, dann waren sie davor einfach deutlich besser darin, ihre Rituale im Geheimen abzuhalten.

 

Warum Mysterienkulte in Eagle Eyes?

Mysterienkulte sind sehr häufig elitäre Gruppierungen, die den meisten ihrer Anhänger eine Ablenkung und eine spirituelle Selbsterfüllung bieten. Ihre Traditionen, Regeln und Riten sind zwar geheim, doch stellen sie für den normalen Lauf der Republik keine Gefahr dar. Ganz im Gegenteil geben sie den Römern etwas zu tun. Viele Mysterienkulte waren auch in der Öffentlichkeit präsent und zogen beispielsweise zu Festtagen durch die Straßen. Nur die großen Geheimnisse wurden hinter verschlossenen Türen praktiziert. Somit dürften die meisten Kulte für die Belange der Adler in Eagle Eyes – In den Schatten Roms irrelevant sein.

Was aber, wenn ein Kultführer darunter ist, der weltliche Ziele verfolgt und diese Göttergläubigkeit geschickt für eben diese Ziele zu lenken versteht? Oder wenn die spirituellen Lehren eine andere Gesellschaft als die römische Republik oder die römische Lebensweise fordern? Auch wenn den Kultmitgliedern die menschliche Abstammung ihres Anbetungsziels wichtig ist, so sind sie dennoch von dessen Göttlichkeit überzeugt und erkennen seine Macht an.

Wenn dieser Gott nun von ihnen Taten verlangt, durch die sie seinem Vorbild folgen, werden diese Taten auch so vollbracht. Fanatische Anhänger können sowohl der römischen Republik im Allgemeinen als auch den Adlern im Speziellen besonders gefährlich werden. Ein gutes Beispiel für die Gefährlichkeit fanatischer Glaubengruppen, stellten im Mittelalter die Haschaschinen (Assassinen) dar.

Man stelle sich eine Senatorensitzung vor, bei der plötzlich ein Senator aufspringt, „Osiris verlangt nach dir“ brüllt und einen anderen Senator niedersticht. In einem Fest verfallen mehrere Frauen plötzlich in Raserei und greifen willkürlich Personen an. Verschiedene einflussreiche Personen werden tot in ihren Häusern aufgefunden. Verschleiert auf einem Stuhl sitzend und mit einem Kranz aus Mohn auf dem Haupt. Jedes für sich könnte ein Aufhänger für ein Abenteuer sein, bei dem ein Kult seine Finger im Spiel hat.

Mysterienkult am Beispiel Dionysos

Wer sich ein bisschen die Beschreibungen über die Götter in einem Lexikon oder den jeweiligen Wikipedia-Einträgen durchliest, findet schnell Fakten, die sich mit ein wenig Einsatz zu interessanten Ausgangspunkten für Fanatiker umschreiben lassen. In diesem Sinne schauen wir uns doch einfach mal Dionysos an.

Dieser griechische Gott, bei den Römern später unter dem Namen Bacchus bekannt, besaß eine besondere Anziehungskraft. Vorrangig als Gott des Weines und der Fruchtbarkeit bekannt, zählte er aber auch den Wahnsinn und die Ekstase zu seinen Fachgebieten. Zudem wurde er mit der Unterwelt in Verbindung gebracht, aus der er in regelmäßigen Abständen empor- und wieder hinabstieg und damit zu einem sterbenden und wieder auferstehenden Gott wurde. In den gängigsten Überlieferungen hatte der Sohn von Zeus zudem eine sterbliche Mutter, Semele genannt.

Etwa 200 v. Chr. kam der Kult in Italien an und wurde bereits 186 v. Chr. verboten, was ihn aber lediglich in den Untergrund vertrieb. Ihm wurden verschiedene Verbrechen, vor allem sexuelle Misshandlungen und Mord, vorgeworfen. Ob das tatsächlich der Fall war oder ob es anderweitige Gründe hatte, ist nicht bekannt. Für Eagle Eyes – In den Schatten Roms wäre es natürlich interessanter, wenn die Anschuldigungen gegenüber dem Kult tatsächlich wahr wären oder sich gar noch weiter ausbreiteten. Welche namhaften Personen waren vielleicht Teil des Kultes? Wer waren die Mordopfer und welchem Zweck dienten die Morde?

Aber noch einmal zurück zum Kult an sich. Grundsätzlich soll Sex eine große Rolle im Kult gespielt haben und die Aufnahmeriten sollen besonders furchteinflößend gewesen sein. Waren die unter Tags gefeierten Feste vor allem fröhliche Feiern, konnte es nämlich in der Nacht schon deutlich rauer zugehen. Von Orgien bis hin zu rituellen Opferungen, bei denen Tiere und wohl sogar Menschen mit bloßen Händen zerrissen wurden, war die Rede. Diese Opferungen, Sparagmos genannt, sollen vor allem von den Mänaden, weiblichen Kultanhängerinnen, ausgeführt worden sein, die in eine Berserkerwut verfielen.

Dieser Kult bietet für jeden Geschmack etwas, wenn es um Mysterienkulte in Fate Noir geht: Blut, Sex und Alkohol. Frei nach Nietzsche stellt sich die Frage, wie tief die Adler in den Kult blicken können, bevor dieser in sie blickt? Früher oder später werden die Adler die reine Beobachterrolle aufgeben müssen, um in die inneren Kreise vorzudringen, und dann werden sie zwangsläufig mit den Riten und Festlichkeiten in Berührung kommen. Können sie den dargebotenen Reizen widerstehen? Können sie es sich überhaupt leisten, diesen aus dem Weg zu gehen, ohne ihre Tarnung aufzugeben? Oder versinken sie Stück für Stück im Strudel des Dionysos? Was ist schon ein Schluck Wein oder ein flüchtiger Kuss. Doch die Satyrn und Nymphen kennen viele Wege, den Leib und den Geist zu berauschen, und wer weiß, was in den großen Feuerschalen alles verbrannt wird.

Bauen wir uns einen Kult

Das obige Beispiel ist ein guter Ansatz für den narrativen Teil. Wir kennen den Gott, um den es geht, und seine Zuständigkeitsbereiche im Pantheon. Auch kennen wir Punkte, die für die Anhänger interessant sind. Wir können außerdem davon ausgehen, dass für viele neben den spirituellen Ansätzen auch die körperlichen Sinneserfahrungen ein ausschlaggebendes Argument sind, sich dem Mysteriumskult anzuschließen.

Fassen wir das also noch einmal in ein paar Fragen zusammen: Welcher Gott/welche Götter wird/werden im Kult verehrt? Was sind die Hauptargumente, die für eine Teilnahme am Kult sprechen? Was versprechen sich die Kultanhänger? Wie offen agiert der Kult? Wie ist das öffentliche Ansehen des Kultes, wie sein rechtlicher Stand?
Ihr müsst kein umfassendes Geschichtsstudium dafür absolviert haben. Haltet den Kult grundsätzlich einfach, denn komplizierter wird er normalerweise von selbst. Sowohl Enzyklopädien als auch Wikipedia bieten genug Informationen. Es geht den Adlern auch nicht um die religiösen Tiefen des Kultes. Dieser ganze Aufbau dient rein der Stimmung und erster Ansätze, wie sich der Kult in die Geschichte einbauen lässt. Wichtiger ist der Intrigen-Unterbau, zu dem wir Euch im Folgenden ein paar Denkansätze bieten möchten.

Wählt einen Hauptdrahtzieher und dessen Pläne. Welche Ziele verfolgt er und wozu braucht er den Kult? Stellt ihm vielleicht noch ein oder zwei benannte Personen zur Seite, die dieses Ziel mittragen. Der Rest des Kultes sind namenlose Anhänger.

Wie weit stimmen die wahren Ziele des Kultführers mit den vermeintlichen des Kultes überein? Sind sich die Kultanhänger dieser Ziele bewusst und falls nein, was würde geschehen, wenn sie davon erführen? Sind die Anhänger lediglich eine Ablenkung, Mittel zum Zweck oder (willentliche) Werkzeuge des Anführers? Verschaffen sie dem Kultführer vielleicht Zugang zu Bereichen oder Optionen, die er ansonsten nicht hätte?

Des Weiteren ist natürlich noch interessant, wie weit der Kult verbreitet ist, welche „Macht“ er besitzt (wie wohlhabend und einflussreich er ist) und wie fanatisch seine Anhänger sind. Welche Mittel setzt der Kult ein, um seine Ziele zu erreichen und wie weit konnten diese Ziele vielleicht schon erreicht werden?

Wenn es dann für die Adler an die Arbeit geht, ist es natürlich noch interessant, wie offen der Kult agiert und wie gut er seine Geheimnisse auch geheim halten kann. Ist es den Adlern grundsätzlich möglich, von außen zu agieren und trotzdem wichtige Informationen zu erlangen oder müssen sie den Kult infiltrieren? Wenn sie von außen nichts erreichen können, welche Möglichkeiten haben die Adler dann? Können sie in die Kultstätten gelangen oder die Versammlungen belauschen? Wenn ja, wo sind diese und wie sind die Sicherheitsmaßnahmen? Was, wenn die Adler den Kult von innen heraus ausspionieren möchten? Wie kann der Kult kontaktiert werden? Ist er offen aktiv oder nur eine eingeschworene Gemeinschaft ohne Präsenz in der Öffentlichkeit? Kann jeder um eine Aufnahme bitten oder herrscht ein strenges Auswahlverfahren, bei dem es vielleicht sogar einen oder mehrere Fürsprecher innerhalb des Kultes bedarf?

Was sind die Aufnahmeriten und wie lange dauern sie? Müssen bestimmte Aufgaben erfüllt oder Prüfungen bestanden werden? In wie weit stellt der Kult Nachforschungen zum neuen Anwärter an?

Ihr müsst das keinesfalls alles bis ins kleinste Detail ausarbeiten. Es geht hier mehr darum, ein Gefühl für euren Mysterienkult zu bekommen und dafür, welche Stimmung ihr mit ihm erzeugen wollt.

Abschließende Worte

Wie bei vielen Themen sollte die Gruppe im Vorhinein klar über die Grenzen eines jeden Spielers gesprochen haben, um unangenehme Spielmomente zu vermeiden. Das obige Beispiel zeigt, dass bei Mysterienkulten sehr schnell Themen in den Fokus rücken können, die nicht für alle geeignet sind. Seien es nun sexuelle Handlungen oder aber auch sektenartige Strukturen an sich. Eagle Eyes – In den Schatten Roms bietet als Fate Noir Setting einen guten Ausgangspunkt, auch solche Themen in Abenteuer zu packen. Sprecht aber in jedem Fall vorher darüber.

Ansonsten wünsche ich noch ein schönes Spiel und ich hoffe, ihr seid auch beim nächsten Thema wieder dabei, dann wieder ein etwas leichteres.

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