Fate Core-Weltenbandchallenge Settingvorstellung: Solarpunk

“Solarpunk” ist Ladidadis Beitrag zur Fate Core-Weltenbandchallenge :

Heliopolis 2100

Bilder von glänzend weißen Wolkenkratzern mit stilvollen matt-carbongrauen Fenstern. Leise anlaufende, pathetische Musik mit Ethnochorälen. Ein Sprecher mit sanfter Stimme setzt an:
„Ein einzigartiges Projekt,“
Helikam-Fahrt durch die im Sonnenlicht glänzenden, reinweißen Hochhausschluchten.
„eine ganze Stadt, erneuert durch modernste Technologien,“
Futuristische Solarbagger und -kräne, die sanft im Licht der Morgensonne zum Leben erwachen.
„betrieben von sauberer Energie, geschenkt von unserer lebensspendenden Sonne…“
Bilder von glaskugelartigen Sonnenkollektoren, einige gleichzeitig die Kuppeln der Hochhausdächer. Warmes Sonnenlicht. Musik wird pathetischer und lauter.
„die unsere Umwelt in all ihrer Schönheit erhält,“
Helikam-Fahrt über eine gewaltige Antilopenherde, springende Delphine, ein schieres Meer aus den saftig grünen Baumwipfeln des Schwarzwaldes, blühende Landschaften.
„die uns Menschen gesunden lässt,“
Bilder von moderner Medizintechnik, bei der Sonnenlicht bündelnde Operationslaser mit minimalsten Blutungen Operationen durchführen.
“uns Ruhe schenkt – und Lebensqualität.“
Bilder von einer modernen, puristischen Wohnung in einem der Wolkenkratzer mit angenehm warmem Licht, zart gedämpft durch die carbongrauen Scheiben, durch die eine hübsche Frau blickt und ihren Bio-Kaffee genießt. Bilder von glücklichen jungen Menschen und Familien, die in Parks spazieren gehen. Musik steuert auf ihren pathetischen Höhepunkt zu.
„Was einst das von Finanzhaien gebeutelte Frankfurt war, ist nun die Stadt der Zukunft,“
Musik ist an triefendem Pathos nicht mehr zu überbieten.

„ist… HELIOPOLIS!“
Ansicht der Stadt in all ihrer Pracht. Musik klingt ab.
„Werden auch Sie ein Teil der Zukunft. Werden Sie Bürger von Heliopolis.“
-Werbespot für „HELIOPOLIS, Stadt der Sonne“, 2092

Das Genre
„Dekliniere Punk“
-meine Deutschlehrerin

Jeder kennt Cyberpunk, und die meisten mittlerweile auch Steampunk. Literatur und Rollenspiele haben die Diversifizierung der <whatever>punk-Genres darüber hinaus immer weiter betrieben. Heliopolis 2100 baut auf einem solchen, bislang aber noch relativ unverbrauchten Genre auf, das man als „Solarpunk“ bezeichnen könnte. In einem Satz:
Im Spiel treffen atemberaubende Technologien auf Basis einer (deutschen) hochentwickelten Solarenergie auf gesellschaftskritische Themen vor (spießig-deutschem) Hintergrund.

Das Setting
„Irma, hol dat Telefon, die Rockers sind wieder da und machen ihren Krach an.“
-gehört in einem deutschen Schrebergarten, 20. Jahrhundert

Wir schreiben das Jahr 2100. Die im 21. Jahrhundert von Deutschland gesetzten Impulse zur Einführung alternativer Energietechnologien haben sich als Erfolgsmodell entpuppt: Die riesigen Flächen der Desertec-Solaranlagen in Nordafrika und Südeuropa und die Windrad-Farmen in der Nordsee beliefern ganz Europa mit Strom, und das sind nur die „alten Hüte“ der Energiegewinnung. Es ist ein schönes, neues Deutschland, dessen Schadstoffemissionen gegen 0 tendieren und das die Welt mit Solartechnologien beliefert, technische Trends setzt sowie seinen weltpolitischen Einfluss für Frieden einsetzt. Das Volk ist überzeugt von der Richtigkeit der Politik seines Landes und kann nur den Kopf schütteln über die verheerenden Energiekriege der Vereinigten Staaten in Amerika und der arabischen Welt. Es blickt mit Mitleid auf das von atomaren Katastrophen verheerte Japan, respektiert Russland mit seinen Gastechnologien und die Wind- und Wasserenergie Skandinaviens. Und es handelt mit dem „Neuen Reich der Sonne“: China. Dabei zögert man nicht, in den eigenen Reihen Abweichler zurechtzuweisen wo es nur geht.
Im Spiel bewegen sich die Charaktere in einer Atmosphäre aus Selbstgerechtigkeit und unzähligen Regeln, an die sich der brave Bürger zu halten hat und die bei Nichtbeachtung zu sozialer Ächtung und schweren Strafen führen können. Sie werden konfrontiert mit Ordnungskräften und vor allem Leuten, die sie mit hämischem Grinsen an diese melden.

Die Technik
„Wie ich in meiner Politik von Anfang deutlich gemacht habe, habe ich alternative Energien immer für die Zukunft gehalten. Heute wissen wir, dass ich damit recht hatte.“
-Angela Merkel, Memoiren, 2042

Im Jahr 2100 haben neue Solartechniken die Welt erobert: Wie reflektierende Spiegel, elegante und gewaltige Linsen und Licht einfangende mattgraue Flächen kommen sie daher und sammeln die Sonnenergie in den Städten, von denen Heliopolis das Vorzeigemodell ist: nahezu autark, schadstofffrei, grün, utopisch und voller atemberaubender Technologien. Orbitalstationen fangen mit gewaltigen Sonnensegeln die Sonnenstrahlen schon im Weltraum auf und leiten sie auf diese Städte weiter, um maximale Energieeffizienz zu erreichen. „Sonnenhaut“-Tätowierungen sorgen dafür, dass die Bewohner stets Energie für implantierte Geräte, aber auch zur Verbesserung und dem Wohlergehen ihrer Körper erhalten.
Im Spiel kann auf solche Techniken beispielsweise in Form von Stunts, Extras und Aspekten zugegriffen werden. Dabei sind im wahrsten Sinne des Wortes Energieleistungen möglich, die undenkbar scheinen. Einige werden Cybertechnologien ähneln wie man sie aus anderen Genres kennt, andere gehen weit darüber hinaus.

Die Charaktere
„Autos machen Dreck, Umwelt geht kaputt, doch ’ne fette neue Karre is‘ leider geil.“
-Songzeile von Deichkind, 2012

Die Charaktere des Settings „Heliopolis 2100“ leben in der Utopie eines komplett auf sauberen Energien basierenden Deutschlands der Zukunft, in der hochmodernen Stadt Heliopolis. Doch sie gehören zu den wenigen teils verlachten, teils gefürchteten Zweiflern, die diese Utopie aus verschiedensten Gründen mit Misstrauen betrachten: Die einen schwärmen für gute alte Verbrennungsmotoren und Autos mit viel PS oder würden gerne mal wieder ein Steak essen – in einer Gesellschaft, die praktisch zu 100% auf vegetarische Nahrung umgestiegen ist. Andere sehen es mit Sorge, dass die Satelliten, die das Sonnenlicht auf Städte wie Heliopolis bündeln, andere Landstriche der Welt dafür in ewigen Schatten legen – wobei jeder Einsatz als politisches Druckmittel bestritten wird. Wieder andere kritisieren den Handel mit dem ebenfalls auf Solarenergie bauenden China wegen deren Menschenrechtsverletzungen. Einige bemerken langsam aufkommende Temperaturanstiege und Verödungen rund um die schönen, neuen Städte, auf die so viel Sonnenlicht gebündelt wird, oder sie verachten einfach die Millionen Mitläufer, die sich in ständiger Selbstbeweihräucherung für die Richter über Moral und Anstand halten. Es gibt viele Gründe für zivilen Ungehorsam. Allen davon begegnet die Öffentlichkeit mit Verachtung und Unverständnis.
Im Spiel wird bei der Charaktererschaffung durch die Wahl eines entsprechenden Aspektes entschieden, weshalb ein Charakter gegen die bestehende Ordnung angeht – und damit auch gleichzeitig dafür, weshalb er sozial geächtet wird oder sogar illegal handelt.

Das Ziel
„Wo Sonne ist, ist auch Schatten“
-Sprichwort

Das Setting wird die Möglichkeit bieten, gegen die Obrigkeit und die bestehende Ordnung vorzugehen. Es werden eine Reihe optional einsetzbarer Geheimnisse geboten, die man aufdecken kann:  Wem wird das Licht abgenommen, das die Orbitalstationen auf Heliopolis bündeln, um deren Energieversorgung zu gewährleisten? Welche Nebeneffekte hat dieses Prinzip? Was bewirkt die geheimnisvolle Sonnenhaut-Tätowierung, die man an den Mächtigen der Stadt sehen kann und weshalb wirken sie auf einmal so jung/schön/vital? Was geht vor in den obersten Etagen der Wolkenkratzer von Heliopolis, was noch weiter oben in den Orbitalstationen? Und weshalb verschlingen sie solch ungeheure Energiemengen? Gibt es wirklich diese eine große Lüge, deren Aufdeckung den selbstgerechten Bürgern die Augen öffnen würde? Wer weiß…
Im Spiel können solche Dinge in Form einer konkreten, skizzierten Kampagne aufgedeckt werden. Das Setting bietet aber auch genug Raum, um eigene Kampagnen mit anderen Schwerpunkten anzusiedeln.

Verfolge dieses Setting im Entwicklertagebuch des T:

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