„Engel“ in 2022 – Was ist passiert?

© Katharina»Tokala« Niko – www.katharinaniko-illustrations.com

 

Da ist diese Sache mit Jahreswechseln: Sie stecken voller Rückblenden. »Was uns 2022 bewegt hat«, »1000 Dinge, die wir 2022 gerne gewusst hätten«, und so weiter. Wann immer sich etwas jährt, dann blicken wir darauf zurück, wie es gewesen ist.

Und wir von der »Engel«-Redaktion können am Ende dieses Jahres gleich doppelt zurückblicken (mag vielleicht an den vielen Zweiern in der Jahreszahl liegen). Ihr seid bestimmt gespannt darauf, wie der aktuelle Status des Fate-»Engel«-Projektes aussieht – und das möchten wir euch auch verraten.

Erlaubt aber, dass wir in unserem ersten Rückblick zunächst etwas in die Ferne schweifen. In die ferne Vergangenheit.

Engel Rpg Erste Edition

Engel vor zwei Dekaden

Die erste »Engel«-Edition wurde dieses Jahr 20 Jahre alt. Sie entstand als Multimedia-Projekt um Oliver Graute, Oliver Hoffmann und Kai Meyer. »Multimedia« deshalb, weil »Engel« von Stunde eins an in die verschiedensten Medienformen ausgriff: Genau genommen begann alles mit dem Comicband »Pandoramicum« von Kai Meyer, mit Illustrationen von Dieter Jüdt. Er trug bereits den unverwechselbaren »Engel«-Schriftzug und führte zentrale Themen und Figuren ein, die in späteren Publikationen noch eine Rolle spielen sollten (und einige Motive, die später wieder verworfen wurden).

Doch erst mit der Veröffentlichung des Grundregelwerks in 2002 fächerte »Engel« sein Setting in die volle Breite auf. Die Texte von Autor:innen wie Thomas Plischke, Astrid Mosler, Severin Rast und später Verena Stöcklein und Ole Johan Christiansen beschworen eine ebenso faszinierende wie erbarmungslose Spielwelt auf. Die Illustrationen von Dieter Jüdt und die Karten von Tobias Mannewitz lieferten einen einzigartigen Look dazu. Selbst das »Engel«-Musikalbum von In the Nursery entfernte sich vom unaufdringlichen Hintergrundsummen anderer Rollenspiel-Soundtracks. Es fand für die Motive der Spielwelt Klangwelten, die kirchliche Choräle mit elektronischer Musik zusammenführen. Es ist sicher bezeichnend, dass Spotify das »Engel«-Album als »Video Game Soundtrack« führt.

Die vielleicht größte Auszeichnung für diese ursprüngliche Version des Spiels mag aber sein, dass selbst 20 Jahre später Fans selbst gern auf es zurückschauen – wie etwa in dieser einsichtsvollen und sehr persönlichen Retrospektive von Raphael Brack. Und auch unser Chefredakteur und -layouter Dominik Pielarski könnte allein eine halbe Stunde von der Konzeption des alten »Engel«-Fonts schwärmen.

Also, Glückwunsch zum Jubiläum, »Engel 1.0«.

Engel heute und morgen

Aber zählen wir jetzt zwei Nummern weiter und werfen einen Blick in die nähere Vergangenheit und Zukunft. Was hat sich bezüglich der neuen »Engel«-Edition im letzten Jahr so getan?

1. Teamerweiterung

Um etwas mehr Leben in die »Engel«-Redaktion zu kriegen, freuen wir uns, einige neue Autoren und Lektoren begrüßen zu dürfen. Zunächst wäre da das »Doppel-B« in der Redaktion: Björn Lippold, der einigen von euch als Chefredakteur der »Mephisto« und Autor der famosen »Himmel über Aachen«-Kampagne bekannt sein dürfte. Und Bjorn Beckert, der bereits als Autor für »Space 1889«, »Malmsturm«, »Hexxen 1733« und »Supers!« in die Keyboard-Tasten gehauen hat.

Außerdem stehen wir zurzeit im regen Austausch mit Entwickler:innen der alten Edition wie Oliver Hoffmann, Ole Johan Christiansen, Thomas Plischke und Verena Stöcklein, die uns Einblicke in ihre Arbeit an den früheren »Engel«-Büchern geben. Es ist uns sehr wichtig, dass auch die neue »Engel«-Reihe, obgleich sie Spielgruppen neue Inhalte Freiheiten im Umgang mit der Spielwelt eröffnen soll, sich mit dem weltenbauerischen Fundament der alten Bücher versöhnen. Wir profitieren von diesem Austausch enorm und sind sehr dankbar, dass wir diese Möglichkeiten haben.

2. Politur und Lektorat

Die Teamerweiterung kommt für uns gerade zur rechten Zeit: Die Texte des neuen »Engel«-Grundregelwerks sind, bis auf ein paar Nachzügler-Seiten, fertig und warten darauf, zu unseren Lektor:innen zu wandern. Zuvor fehlt an der ein oder anderen Stelle allerdings noch eine Schicht Politur.

Besondere Aufmerksamkeit schenken wir im Moment der Überarbeitung jener Textabschnitte, die sich mit den Verschwörungen und Mysterien, die im Setting angelegt sind, befassen. Unser Ziel ist es, Spielgruppen Informationen und Werkzeuge an die Hand zu geben, damit diese ihr Spiel im »Engel«-Setting so ausgestalten können, wie es ihren Spielvorlieben und persönlichen Grenzen am Besten entspricht.

Konkret bedeutet dies: Das neue »Engel« wird sich zwar an den meisten Setzungen der alten Editionen orientieren. Allerdings bieten wir ausgearbeitete, alternative Auflösungen an, mit denen Spielgruppen arbeiten können, ohne die großen Linien des Hauptspiels verändern zu müssen. So haben wir etwa zur Gestalt und Herkunft der Engel Varianten ausgearbeitet, die anstelle der kanonischen Setzung genutzt werden können.

3. Eine vollgepackte Illuliste

Während die Texte ihrer Vollendung harren, schreiten die Dinge auch an der Illustrationsfront voran. Unsere Illustratorin Kim Schneider hat sich abermals in die Details der Optik von »Engel« vertieft: Sie überarbeitet die filigranen Linien- und Glyphennetze, die die Haut eines jeden Engels überziehen. Derweil konzipieren Dominik und unsere Illustratorin Katharina Niko die genaue Gestaltung der Seiten, Logos und des Layouts, bis der Startschuss für die Illus fällt. Die Redaktion hat bereits eine prall gefüllte Excel-Liste an Motiven zusammengetragen, die, von Katharina auf digitale Leinwand gebannt, das fertige Buch schmücken sollen. Ihr dürft euch für das nächste Jahr auf die ein oder andere Augenweide freuen, die wir hier im Blog ausstellen werden.

4. Die Kathedrale der Settingfakten

Das Setting von »Engel« ist dicht, detailverliebt und schöpft aus einer über die Publikationen verzweigten, alternativen Historie. Daneben ist das Lateinische im Setting eine lebendige Sprache. Viele Objekte, Professionen oder Ereignisse tragen daher lateinische Namen. Und um ganz ehrlich zu sein: Auch unsere Autor:innen haben nicht sämtliche Fakten zum »Engel«-Setting auf Knopfdruck parat.

Noch nicht.

Denn um uns den Umgang mit dem Setting bei der Schreibarbeit zu erleichtern, haben wir wichtige Spielweltbegriffe, NSCs, Organisationen, Kreaturen und Ereignisse zusammengetragen und pflegen diese gerade in eine durchsuchbare Online-Datenbank ein.

Doch nicht nur das Redaktionsteam soll etwas davon haben: Wir planen, diese Datenbank in Zukunft auch der Community zugänglich zu machen. Welche Form diese Informationssammlung dann annehmen wird, wurde noch nicht entschieden. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Und sonst so?

Soweit zu unserem kurzen Streiflicht in die »Engel«-Werkstatt. Natürlich gibt es aber noch viele weitere interessante Aspekte (na?) des neuen »Engel«-Rollenspiels, über die wir mit euch reden möchten. Fliegt in den nächsten Monaten einfach hier im Newsblog vorbei. Eine größere Ankündigung zum Projektstatus wirft bereits ihre Schatten voraus.

Zum Schluss möchten wir von der »Engel«-Redaktion euch noch ein frohes und erfolgreiches Jahr 2023 wünschen.

Rutscht stabil und habt eine gute Landung! 

 

Christoph Laurer,

Engel-Settingredakteur

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One comment

  • FRAZ 22. Januar 2023   Reply →

    Vielen Dank für das Update. Ich freue mich auf eure Arbeit.

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