Eagle Eyes #17: Ein Überblick über Orakel und Weissagungen

„Wenn Krösus den Halys überschreitet, wird er ein großes Reich zerstören.“ Mit diesem berühmten Ausspruch des Orakels von Delphi zog der letzte König von Lydien siegessicher in den Krieg, doch am Ende war es sein eigenes Reich, das seinen Untergang fand. Ein schönes Beispiel für das Thema, dem wir uns heute widmen möchten: die Wahrsagerei. Diese wird im Settingband von Eagle Eyes – In den Schatten Roms nur kurz angerissen, spielte in der römischen Republik jedoch eine wichtige Rolle und kann in verschiedenen Bereichen gut eingebunden werden.

 

Wahrsagerei im alten Rom

Damals war man der festen Überzeugung, dass die Götter den Menschen über Zeichen ihre Zustimmung oder Ablehnung kundtaten. Aus diesem Grund wurden größere Entscheidungen sowohl auf politischer als auch privater Ebene nur getroffen, wenn vorher die Götter dazu befragt worden waren.

 

Die verschiedenen Wahrsager Roms

Betrachten wir uns erst einmal, wer damals diese besondere Gabe besaß. Schließlich gab es vor allem im staatlichen Bereich feste Rollen und Zuständigkeiten.

 

Die Auguren

Wenn es um die offizielle Wahrsagerei geht, standen die Auguren ganz oben auf der Liste. Sie waren spezielle Beamte, die mit Hilfe z. B. der Vogelschau prüften, ob ein geplantes Unternehmen das Wohlwollen der Götter genoss. Sie konnten sowohl vom römischen Senat als auch von Privatpersonen, allen voran den Familienoberhäuptern, befragt werden. Hauptsächlich aber wurden sie von einem Magistrat beauftragt, bevor politische Entscheidungen getroffen wurden. Dazu gehörte z. B. das Einsetzen eines neuen Magistrats, das Ausrufen von Kriegen und Feldzügen, die Einführung neuer Gesetze und dergleichen.

 

Der Augur führte dann eine auspicia (Vogelschau) durch, bei der am Ende entweder eine positive (nuntatio) oder negative Entscheidung (obnuntatio) verkündet wurde. Gab der Augur bekannt, dass die Götter das fragliche Ereignis ablehnten, dann wurde es mit großer Sicherheit abgebrochen. Der Magistrat konnte sich zwar dieser Entscheidung widersetzen, doch wurde ein solches Verhalten mit äußerstem Misstrauen betrachtet. Sollten sich sogar negative Konsequenz daraus ergeben, dann konnte dies schwere Strafen für den uneinsichtigen Magistraten nach sich ziehen. Dasselbe galt für den Auguren, wenn diesem eine falsche Interpretation nachgewiesen werden konnte.

 

Das Besondere an den Auguren war, dass sie nur deuteten, ob die Götter eine bestimmte Handlung befürworten oder ablehnten. Anders als bei sonstigen Wahrsagern oder Zukunftsdeutern gaben sie keine Handlungsaufforderung ab. Dennoch waren sie es, die bei vielen politischen Entscheidungen die Macht hatten, diese zu verhindern, weshalb sie zu den mächtigsten Männern Roms zu zählen sind.

 

Die Pontifices

Darüber hinaus gab es mehrere offizielle Stellen, zu deren Aufgaben es auch gehörte, den Rat der Götter einzuholen. Da wären zum einen die Pontifices, die man am ehesten als sakrale Beamte bezeichnen könnte. Sie überwachten die Einhaltung aller religiösen Vorschriften. Wichtig für uns ist in dem Zusammenhang vor allem, dass sie als Berater in religiösen Belangen fungierten und dazu zählten damals auch rechtliche Belange und das Gesetz betreffende Fragen.

 

Ein Pontifex hatte Einblick in die geheimnisvollen Wege der Götter und teilte dieses Wissen auf Anfrage unentgeltlich mit den Ratsuchenden.

 

Die Flamines

Zum selben Kollegium gehörten noch die Flamines. Ein Flamen war ein Priester im Dienste jeweils einer bestimmten Gottheit und konnten ebenfalls die Zukunft mit Hilfe verschiedener Methoden voraussagen. Fühlte man sich mit seiner Frage zu einem speziellen Gott hingezogen, dann wendete man sich gerne an den dafür zuständigen Flamen.

 

Die sibyllinischen Bücher

Zudem gab es da noch die sibyllinischen Bücher, eine Sammlung von griechischen Orakelsprüchen, die von einer Wahrsagerin (Sibylle) erstellt worden sein sollen. Diese wurden zur Zeit von Eagle Eyes – In den Schatten Roms vom Quindecimviri sacris faciundis, einem 15 Mann starken Priesterkollegium bestehend aus Patriziern und Plebejern, im Geheimen aufbewahrt und in Krisenzeiten auf Antrag des Senats mit Hilfe zweier griechischer Übersetzer konsultiert.

 

Hierbei muss aber erwähnt werden, dass das Kollegium lediglich das Ergebnis der Öffentlichkeit präsentierte und nicht, wie die Befragung der Bücher vonstattengegangen war. Geschickte Adler haben hier einige Möglichkeiten, dies zu ihrem Vorteil zu nutzen, sofern sie Zugang zu dem Kollegium und/oder den zeremoniellen Riten erhalten.

Die Weissagungen sollten hierbei vor allem die richtigen religiösen Handlungen und Zeremonien wiedergeben, um größere Unglücke zu verhindern oder nach besonderen Ereignissen (wie einem Erbeben, einer Seuche oder bei der Sichtung eines Kometen) zu sühnen.

 

Die Haruspices

Außerhalb der römischen Priesterschaft gab es zudem noch die Haruspices, in der Regel Priester einer nicht-römischen Gottheit. Zwar konnte es vorkommen, dass ein Haruspex auch für den Senat tätig wurde, dann aber höchstens in beratender Funktion. Die Beziehung der Römer zu ihnen schwankte zudem über die Jahrhunderte hinweg teils sehr stark und konnte von bloßer Skepsis bis hin zu Verboten reichen. Zur Zeit von Eagle Eyes – In den Schatten Roms erlebten sie eine Hochzeit und hatten sich zu einem 60 Mann starken Kollegium zusammengeschlossen.

Sibyllen & Propheten

Zudem sind noch die Sibyllen und Propheten zu nennen, wobei eine Sibylle eine Prophetin war, die ihre Weissagungen meistens in einem ekstatischen Zustand kundtat. Eigentlich sind sie mehr im Orient und Griechenland zu finden, aber da sie sich sehr stark zu Erdgöttinnen zugehörig fühlen, kann man sie bei Bedarf mit einem römischen Mysterienkult, der sich der Magna Mater Kybele verschrieben hat, verbinden und sie damit nach Rom ziehen.

 

Grundsätzlich unterscheiden sich Sibyllen und Propheten von den bisher genannten, dass sie sich im direkten Auftrag einer Gottheit sehen. Priester hingegen dienen zwar einem Gott, erfragen aber nur bei Bedarf ihren oder seinen Ratschlag. Propheten eignen sich im Spiel sehr gut als feurige Redner inmitten einer Menge, wo sie Unruhe stiften könnten oder eine für die Adler ungünstige Stimmung erzeugen.

 

Verschiedene Wahrsage-Methoden

Neben der oben bereits erwähnten Methode, die sibyllinischen Bücher zu Rate zu ziehen, gab es noch einige weitere Methoden.

 

Der Vogelflug

Die Vogelschau wurde von den Auguren durchgeführt, wobei keine direkten Fragen beantwortet wurden. Stattdessen erfuhr man lediglich, ob die Götter mit dem Vorhaben einverstanden waren oder eben nicht.

 

Zu diesem Zweck wurde vom Auguren ein rechteckiger Bereich im Himmel festgelegt, in dem die Deutung erfolgen sollte. In Rom gab es zudem das auguraculum, einen festgelegten Platz auf dem Capitol, an denen diese Art der Deutung durchgeführt wurde.

 

Es konnten verschiedene Elemente zur Deutung herangezogen werden. Da war zum einen der Gesang von Singvögeln, aber eben auch der Flug. Hierbei war von Bedeutung, welche Art von Vogel zu welcher Tages- und Jahreszeit wo zu sehen war. Erschien zum Beispiel ein Rabe zur Linken, war das ein positives Zeichen. Es konnte aber auch das Fressverhalten von Hühnern gedeutet werden.

 

Die Leberschau

Eine etwas detaillierte Weissagung wurde mit Hilfe der Eingeweideschau erreicht. Zu diesem Zweck wurde ein Opfertier geschlachtet und die Eingeweide nach ihrem Aussehen und auf ihre Beschaffenheit geprüft. Allen voran war die Leber von besonderem Interesse, da sie wie das Herz als Sitz des Lebens galt.

Für die Leberschau wurde das Organ in mehrere Bereiche unterteilt. Zum einen stand die rechte Seite für die Person, die die Befragung angeordnet hatte und die linke galt den äußeren Verhältnissen. Außerdem waren weitere Bereiche der Leber unterschiedlichen Göttern und damit Lebensbereichen zugeordnet. Besondere Merkmale in diesen Bereichen wurden dann als Zeichen der Götter gedeutet, wobei Missbildungen und dergleichen als negative Omen und besonders gesunde Exemplare als positive Zeichen angesehen wurden.

 

Die Blitzlehre

Diese Form der Weissagung wurde von den Auguren durchgeführt, es wurden aber vom Senat nicht selten Haruspices als Berater herangezogen.
Blitze waren eindrucksvolle Naturphänomene, die den Göttern zugeschrieben wurden und an denen man ihren Willen ablesen konnte. Dabei beobachtete man, woher ein Blitz kam sowie seinen Verlauf und wo er ggf. einschlug und zu welcher Tageszeit er auftrat. Zudem unterschied man verschiedene Arten von Blitzen, die dann verschiedenen Göttern zugeordnet wurden. Orte, an denen ein Blitz eingeschlagen hatte, wurden als besonders heilig angesehen und mit besonderen Einfassungen (Puteale) versehen.

 

Es konnten auch andere Himmelserscheinungen wie Wolkenformen, Regen oder Lichterscheinungen wie Regenbögen von Bedeutung sein.

 

Würfel

Sehr beliebt bei den Römern war die Weissagung mit Würfeln. Hierzu wurden fünf Würfel verwendet, die aus quaderförmigen Sprunggelenkknöchelchen meistens von Schweinen, Ziegen oder Schafen gemacht waren und die vier unterschiedlich geformte Seiten zeigen konnten. Diese Seiten hatten unterschiedliche Zahlenwerte (1, 3, 4 & 6).

 

Um nun die Zukunft vorauszusagen gab es unterschiedliche Methoden. Entweder es wurde die Gesamtsumme des Wurfs gezählt und das Ergebnis stand dann für einen griechischen Buchstaben, der mit Hilfe des Buchstabenorakels interpretiert wurde. So stand die 30 für das Alpha, 28 Beta (29 war mit den Würfeln nicht möglich) etc. und im Orakel stand Alpha für: „Alles wirst du glücklich tun, das sagt der Gott.“

 

Eine weitere Methode war die Kombination der Würfelwerte, d. h., welcher Wert an welcher Stelle erwürfelt worden war. Diese Methode war sehr beliebt und die daraus resultierenden Ergebnisse und deren Deutungsmöglichkeit standen sogar als Steintafeln auf einigen Marktplätzen. Ein Beispiel hierfür wäre: 1,1,1,6,4 [Summe:] 13. Von Aphrodite fallen drei Einser, dann ein Sechser, als fünfter ein Vierer: Reise, wohin du willst! Froh wirst nämlich nach Hause du kommen, finden wirst du und tun, was du in deinem Herzen erwägst. Aber bete zu Aphrodite und dem Sohn der Maia [Hermes].

 

Träume

Eine weitere Methode bestand darin, sich die eigenen Träume von Traumdeutern entschlüsseln zu lassen. Man glaubte hierbei, dass die Götter einem vor allem im berauschten Zustand Einsichten schenken würden, weshalb es spezielle Heiligtümer gab, in denen man sich betrinken und in einer Kammer seinen Rausch ausschlafen konnte. Am nächsten Morgen deutete der ansässige Traumdeuter einem gegen einen kleinen Obolus dann die nächtlichen Visionen.

 

Das Orakel

Hierbei handelte es sich um eine Person, durch welche die Götter direkt zu den Menschen sprachen. Das geschah aber selten in direkter Weise. Stattdessen waren die Sinnsprüche oft kryptischer Natur. Meistens standen Berater zur Verfügung, die einem bei der Deutung der Worte halfen.

 

Noch weitere Methoden

Natürlich streifen wir damit nur die Spitze des Eisberges. Darüber hinaus gab es noch viele andere Möglichkeiten wie Lose, Bücherbefragungen usw., um den Willen der Götter zu erfragen und in den oben aufgeführten Punkten haben wir ebenfalls nur einen winzigen Teil dessen aufgezeigt, was damit zusammenhängt. Es soll aber auch nur darum gehen, ein Gefühl dafür zu vermitteln.

Aus diesem Grund wollen wir im nächsten Artikel dann auch etwas praktischer werden. Wir schauen uns nämlich an, wie wir die bisher angehäuften Informationen auf die eine oder andere Weise ins Spiel einbauen könnten.

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