Die geheime Welt der Katzen #4: „Die geheime Welt der Katzen“ trifft „Katzulhu“

von André „Seanchui“ Frenzer

Die geheime Welt der Katzen“ ist eine großartige und spaßbringende Möglichkeit für alle Katzenfreunde dort draußen, einmal in die Rolle ihrer feliden Weggefährten zu schlüpfen. Doch tatsächlich gibt es noch einige andere, interessante Konzepte und Spiele, die den gleichen Weg eingeschlagen haben. Richard Bellingham, Autor von „Die geheime Welt der Katzen“, zählt auch gleich einige Inspirationen auf: „Cat“ von John Wick, das FUDGE-Spiel „Another Fine Mess“ oder „Katzenauge“ von Stephen King. In seiner Aufzählung fehlt aber auch nicht „Katzulhu“, das cthulhoide Katzenrollenspiel. Da ich ein ausgeprägtes Faible für Lovecrafts Schaffen und vor allem seine rollenspielerischen Adaptionen habe, dreht sich dieser Artikel um eine Verknüpfung zwischen „Die geheime Welt der Katzen“ und „Katzulhu“: Wie können beide Spiele voneinander profitieren?

Wer ist dieser Lovecraft überhaupt?

  1. Vielleicht macht es an dieser Stelle Sinn, zunächst einmal den geistigen Vater von „Cthulhu“ und seinen zahllosen Epigonen vorzustellen: den Autoren Howard Phillips Lovecraft. Der Anfang des 20. Jahrhunderts (1890 – 1937) lebende amerikanische Schriftsteller gilt als einer der einflussreichsten Autoren der phantastischen Literatur und hat dem Genre der Horrorgeschichten eine Fülle wunderbarer Geschichten hinterlassen. Lovecraft nach den herkömmlichen Genre-Kriterien zu bewerten ist schwer: Seine frühesten Geschichten erinnern an die makabren Werke von Edgar Allen Poe. Zwischen 1919 und 1927 schrieb er viele Geschichten, die von den phantastischen Anderswelten Lord Dunsanys beeinflusst waren. Erst sein Spätwerk, also ab Cthulhus Ruf (1926), zeigt Geschichten, die wirklich typisch Lovecraft sind. Sie sind eine Mischung aus Weird Fiction, deren Ziel es ist den Leser zu verunsichern, Regionalliteratur, bezogen auf sein halbreales Neuengland, und den Anfängen von Science-Fiction. Er selbst sah sich stets als „Weird-Fiction“-Autor.
  2. Der Horror, den H. P. Lovecraft in seinen Geschichten schuf unterscheidet sich deutlich von dem Horror, der dem modernen Konsumenten in Film und Literatur präsentiert wird. H. P. Lovecraft zeichnete in seinen Geschichten eine Welt, in der der Mensch nur ein Staubkorn gemessen an dem ihn umgebenden Universum ist. Dieses Universum wird von mächtigen, uralten Wesenheiten bevölkert: Äußere Götter, interstellare Rassen oder auch die sogenannten Großen Alten. Gerade die letztgenannten haben einen erheblichen Stellenwert in Lovecrafts Kosmos. Diese Rasse grausamer Entitäten befindet sich größtenteils in äonenaltem Schlaf, doch ihr mächtiger Geist ist sehr aktiv und beeinflusst Menschen und andere Wesen in ihrem Tun. Nur die Unwissenheit des Menschen und seine Unfähigkeit, die Rätsel des Universums zu entschlüsseln, schützen ihn davor, angesichts der grausigen Wahrheit den Verstand zu verlieren.

Wenn du dich für H. P. Lovecrafts literarisches Werk interessierst und mehr erfahren möchtest, empfiehlt sich ein Vorbeischauen bei der Deutschen Lovecraft Gesellschaft. Hier findest du Leselisten, ein Forum voller Gleichgesinnter und eine Menge interessantes Material.

Das ist ja alles ganz nett, aber was hat das bitteschön mit Katzen zu tun?

Katzen spielten in Lovecrafts Leben keine große Rolle, waren aber durchaus präsent. Der Autor war ein ausgewiesener Katzenfreund und war auch stolzer Katzenbesitzer. Es verwundert daher nicht, dass er seine feliden Gefährten auch ab und an eine Rolle in seinem literarischen Werk gönnte. In der Geschichte „Die Ratten im Gemäuer“ ist es beispielsweise der alte Kater des Protagonisten, der viel eher als seine menschlichen Begleiter von dem Unheil ahnt, dass sich hinter den Mauern des alten, geerbten Herrenschlosses verbirgt.

Besonders erwähnenswert sind an dieser Stelle aber die – wohl sehr von Lord Dunsany inspirierten – Traumlandegeschichten H. P. Lovecrafts. Die Traumlande sind die Welt unserer Träume, die hinter unseren geschlossenen Lidern in unserem tiefsten Unterbewusstsein liegt. Sie wird vom Geist irdischer Träumer geschaffen und ist eine bizarre, fantasievolle und bunte aber auch grausame und erschreckende Welt. Interessant in unserem Kontext wird sie durch die besondere Rolle der Katzen in den Traumlanden. Denn während es nur wenige menschliche Träumer gibt, die fähig und mächtig genug sind um sich bewusst in die Traumlande zu träumen, so ist der Besuch der Traumlande für die Katzen ein angeborenes Privileg. Sie können nach Belieben in die Welt der Träume „wandern“ – übrigens einer der Gründe, warum Katzen so gerne und ausgiebig schlafen. In den Traumlanden werden Katzen hochgeachtet und können natürlich auch mit den Menschen sprechen. Die Stadt Ulthar ist das Zentrum der traumländischen Katzengesellschaft.

 

„Katzulhu“ vs. „Catthulhu“

Soviel zum Hintergrund. Bevor wir uns nun aber endlich daranmachen, cthuloide Konzepte in „Die geheime Welt der Katzen“ unterzubringen, noch ein Hinweis: Richard nennt in seiner Inspirationsliste das englische Rollenspiel „Catthulhu“ aus der Feder von Joel Spark als Inspirationsquelle. Tatsächlich gibt es auch eine deutsche Inkarnation eines feliden „Cthulhu“-Rollenspiels, das völlig unabhängig von Sparks Variante entstanden ist. Frank Heller und Ingo Ahrens zeichnen für das deutsche „Katzulhu“ verantwortlich. Es mag nicht so bekannt sein wie die englische Variante, kann aber bei DriveThruRPG zum Download gefunden werden (s. U.). Gemeinsam ist beiden Spielen, dass sie Lovecrafts Faible für Katzen mit dem cthuloiden Horror verknüpfen, der seinen Geschichten innewohnt und die vierpfötigen Helden in den Mittelpunkt stellen. Als Inspirationsquelle für den weiteren Artikel soll die deutsche Version „Katzulhu“ dienen.

 

Cthuloide Monstrositäten

In „Die geheime Welt der Katzen“ geht es um Katzen, die ihre „Bürden“ – die Menschen, denen sie vorgeblich gehören – vor den unsichtbaren Gefahren, die hinter der Fassade unserer Wahrnehmung liegen, beschützen. Lovecrafts „Große Alte“ und ihre außerweltlichen Anhänger existieren ebenfalls zumeist unbemerkt von den Menschen und verfolgen ihre eigenen, finsteren Pläne. Da scheint es sich anzubieten, das Konzept des Spiels mit dem Hintergrund des Cthulhu-Mythos zu verquicken.

H. P. Lovecraft sowie seine literarischen Freunde und Nacheiferer haben einen äußerst umfassenden Katalog cthuloider Monstrositäten erschaffen. Allen voran natürlich Cthulhu höchstselbst sowie die Rasse der Großen Alten, doch auch viele niedere Diener oder göttliche Geschöpfe finden sich in diesem Kuriositätenkabinett wieder. Drei für katzulhoide Abenteuer besonders geeignete Kreaturen möchte ich im Folgenden kurz vorstellen.

 

Katzen vom Saturn

Diese Geschöpfe haben eine entfernte Ähnlichkeit mit irdischen Katzen. Während ihre Proportionen denen einer Katze ähneln, besteht ihr Körper aus starken Muskelsträngen und filigranen Mustern, die wie leuchtende Juwelen funkeln. Ein tentakelbewehrter, runder Kopf rundet das fremdartige Bild dieser Monstrositäten ab. Sie sind geschickte und brutale Jäger, deren finsteres Naturell sie auch vor wesentlich größerer Beute – wie zum Beispiel Menschen – nicht zurückschrecken lässt.

Niemand weiß, wie diese Wesen normalerweise leben doch es ist bekannt, dass sie regelmäßig den interstellaren Raum durchqueren und auf dem Mond der Traumlande landen. Hier feiern sie bizarre Festakte mit den dort wohnenden grausigen Mondbestien. Mittels finsterer Ritualmagie können sie aber auch von Paktierern in die wache Welt beschworen werden, wo ihre angeborene Boshaftigkeit und Aggressivität rasch aus dem Ruder läuft und sich auch gegen den Paktierer richten wird.

 

Aspekte:Konzept: Außerweltlicher Jäger

Dilemma: Ich will zurück zum Saturn

Andere Aspekte: Ein Paktierer ist kein Verbündeter, Keine Beute ist zu groß

 

Fertigkeiten:

Großartig (+4): Kämpfen, Kraft

Gut (+3): Athletik

Ordentlich (+2): Heimlichkeit

Durchschnittlich (+1): Wille

 

Stunts:

Sprung zwischen den Sternen: Eine Katze vom Saturn ist zu wesentlich höheren physischen Leistungen fähig, als man ihrem recht kleinen Körper zutrauen könnte. Ihre Sprungkraft ist legendär. Sie erhält +2 auf Kämpfen, wenn sie einen Sprungangriff durchführen kann.

 

Stress:

Geistig: 2

Körperlich: 4

 

Hunde von Tindalos

Tindalos, eine grauenhafte Stadt mit korkenzieherartigen Türmen, liegt irgendwo außerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums. Hier sind die Hunde von Tindalos zu Hause, eine fremdartige Rasse hundeartiger Monstren, die die Ecken des Zeitkontinuums bewohnen. Ob sie wirklich optisch einem Hund ähneln vermag niemand zu sagen, denn normalerweise überlebt niemand den Kontakt mit diesen Wesen. Diese Bestien gieren nach menschlichem Blut und Fleisch und nehmen unerbittlich Witterung auf, wenn jemand den Fehler macht, mittels Magie durch Raum und Zeit zu blicken.

Hunde von Tindalos jagen ihre Opfer durch Raum und Zeit und legen dabei Strecken von 1.000.000 Jahren pro Tag zurück. Während der Zeit der Jagd wird das Opfer ständig von dem Geheul des Hundes, dass an das tiefe Bellen eines großen Hundes erinnert, verfolgt. Aufgrund ihrer Beziehung zu Ecken können sie nur in Winkeln von 120 Grad oder weniger materialisieren – wer sich in einem kreisrunden Raum aufhält, ist vor ihnen sicher. Doch wer könnte das auf alle Ewigkeiten…?

 

Aspekte:Konzept: Jäger aus der Zeit

Dilemma: Ich materialisiere nur in Ecken

Andere Aspekte: Ewiger Blutdurst, Geduldiger Jäger, Leichengeruch umgibt mich

 

Fertigkeiten:

Großartig (+4): Kämpfen, Kraft, Athletik

Schwach (-1): Heimlichkeit

 

Stunts:

Raumverbiegung: Ein Hund von Tindalos kann die Raumzeit um sich herum verbiegen, was zu einem die Augen verwirrenden Verdrehen und Ziehen des Wesens führt. Schüsse und Angriffe auf den Hund von Tindalos erhalten -2.

 

Stress:

Geistig: 4

Körperlich: 4

 

Zoogs

Die Zoogs sind in den Traumlanden beheimatet. Es handelt sich um kleine, pelzige, nagetierartige Wesen, die mit einer gewissen Intelligenz gesegnet sind. Ihr Kopf wird von kleinen Tentakeln beherrscht. Sie leben im Verwunschenen Wald und laben sich von Zeit zu Zeit an den Träumern, die unwissend und versehentlich ihr Reich betreten. Wenn die Wächter der Traumlande nicht wachsam genug sind, schlüpft auch gelegentlich einer der ihren in die Wache Welt.

Aspekte:Konzept: Neugieriger Traumbewohner

Andere Aspekte: Gemeinsam sind wir stark

 

Fertigkeiten:

Gut (+3): Wahrnehmung, Heimlichkeit

Schwach (-1): Kämpfen, Kraft

 

Stress:

Geistig: 2

Körperlich: 2

 

Die Traumlande

Die Traumlande sind ein fantastischer aber auch grauenhafter Ort, der nur in den Träumen irdischer Wesenheiten existiert. Dieser Artikel ist zu kurz, um einen umfassenden Überblick über die Ortschaften zu geben, auf die der Träumer hier stoßen kann. Wer sich mehr für die Traumlande als Setting interessiert, dem sei Lovecrafts Kurzroman „Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath“ oder seine Kurzgeschichte „Die Katzen von Ulthar“ ans Herz gelegt. Nichts desto trotz möchte ich einige Aspekte dieses fantastischen Settings zumindest nennen, um für weitere Inspiration zu sorgen.

Die siebzig Stufen des leichten Schlummers

Einer der gängigsten Wege in die Traumlande führt eine gewaltige Treppe hinab. Wer die siebzig Stufen des leichten Schlummers hinabsteigt findet sich in der Kaverne der Flamme wieder, in der die Priester Nasht und Kaman-Thah den Träumer empfangen. Von hier beginnen sie siebenhundert Stufen, die zum Tor des tieferen Schlummers führen, dass sich in den Verwunschenen Wald öffnet.

Der Verwunschene Wald

Riesige Eichen prägen das Bild des Verwunschenen Waldes. Ihr dichtes Geäst bildet ein immergrünes Blätterdach, der Boden ist von weichen Moosen überzogen. Fantastische Kreaturen hausen hier, allen voran die nagerhaften Zoogs.

Ulthar

Ulthar liegt an den Ufern des Fluss Skai und thront auf mehreren Hügeln. Es ist eine feudalistisch anmutende Stadt, deren Häuser spitze Giebel aufweisen und deren enge Gassen mit Kopfsteinpflaster versehen sind. Zahlreiche Schreine der Traumlandegötter finden sich hier ebenso wie der sagenumwobene Tempel der Älteren. Katzen gelten in Ulthar als gleichberechtigte Einwohner und es gibt zahlreiche, weitverzweigte Clans die ihren eigenen Geschäften nachgehen.

Die Unterwelt

Unterhalb der Traumlande tut sich die Unterwelt auf, ein finsterer Ort, an dem grauenhafte Kreaturen wie die riesenhaften Gugs leben. Auch Ghoule findet man hier zuhauf. Sie leben in den finsteren und lichtlosen Kavernen am Ufer von pechschwarzen Seen.

Der Mond

Der Mond der Traumlande ist ein furchtbarer Ort, an dem grauenhafte Mondbestien hausen, die den Menschen der Traumlande feindlich gesonnen sind. Sie versklaven die Bewohner der Traumlande und opfern sie ihren finsteren Götzen und Göttern. Sie stehen in enger Beziehung zu den Katzen vom Saturn und feiern mit ihnen gemeinsam orgiastische Feste zu Ehren ihrer unaussprechlichen Gottheiten.

Die Fertigkeit Traumwandeln

Wer katzulhoide Abenteuer erleben möchte sollte sich überlegen, diese Fertigkeit jeder Katze bei der Charaktererschaffung mit auf den Weg zu geben. Mit der Fertigkeit Traumwandeln kann Deine Katze jederzeit in ihrem Schlaf die siebzig Stufen des leichten Schlummers erreichen und in die Traumlande überwechseln. Wenn Du ein Meister in dieser Fertigkeit bist, füge Deinem Konzept das Wort Traumwandler hinzu. Du kannst in Deinen Träumen an jedem Ort die Traumlande betreten, nicht nur über die üblichen Wege.

Einen Vorteil erschaffen: Du kannst Traumwandeln einsetzen, um während eines Besuches der Traumlande nützliche Gegenstände herbei zu träumen. Diese erscheinen unmittelbar und materialisieren scheinbar aus dem Nichts. Du musst gegen einen Fantastischen (+6) Widerstand würfeln, um einen Gegenstand erfolgreich herbei zu träumen.

 

Katzulhoide Abenteuer

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich Euch noch einige Ideen mit auf den Weg geben, um katzulhoide Abenteuer für Eure Gruppen zu erstellen.

  • Die Bürde einer befreundeten Katze hat versehentlich das Interesse eines Hundes von Tindalos auf sich gezogen. Das tiefe Bellen der furchtbaren Kreatur, die sich durch Raum und Zeit nähert, scheucht die sensiblen Katzen der gesamten Nachbarschaft auf. Langwierige Recherchen fördern zutage, dass sich der Hund nur in Ecken manifestieren kann. Wie kann die Bestie in eine Falle gelockt werden?
  • Ghoule sind ein starkes, lovecraftsches Motiv. Ihre Gesellschaft entfaltet sich unter unseren Füßen und sie untertunneln nicht nur die Friedhöfe, sondern ganze Städte der Menschen. Es mag immer wieder einen Grund geben für die Katzen, sich mit den örtlichen Ghoulen zu beschäftigen. Einige von ihnen sind weise und uralte Zauberer, doch sie sind alles andere als gastfreundlich…
  • Eine der berüchtigten Schwarzen Galeeren hat den Skai befahren und seine gefürchteten Sklavenjäger haben ein hoch geachtetes Katzenpaar aus Ulthar entführt. Es werden furchtlose Katzen gesucht, die die weite Reise durch die Traumlande antreten.

 

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