Tianxia #4: Usagi Yojimbo

André schrieb ja schon in seinem Artikel, dass Tianxia sehr anpassungsfähig ist.
Aber, wie anpassungsfähig genau?
Die meisten von Euch werden Kung-Fu Panda kennen oder das Playstation Spiel T’ai Fu: Wrath of the Tiger. Anthropomorphe Tiere und östliche Einflüsse haben Tradition in den Medien und ich möchte heute einmal über ein weiteren Vertreter sprechen: Stan Sakais Usagi Yojimbo. Zwar ist Usagi der japanischen und nicht der chinesischen Kultur zuzuordnen, aber als Inspiration oder gar Hintergundwelt für die Tianxia-Regeln dient er hervorragend.

Warum ausgerechnet Usagi Yojimbo?

Gerade Tiere und den ihnen zugesprochenen Charakteristiken sind für ein Erzählspiel wie Fate mit seiner Aspekt-Mechanik prädestiniert. Der gemeinsame Vorstellungsraum am Spieltisch wird geradezu geflutet, wenn wir uns eine Gruppe mit einem nashörnigen Sumoringer, einem quirligen buddhistischen Affenmönch oder einem Pferdeschmied vorstellen, die geradewegs in eine Abenteuer gezogen werden. Jedem Spieler dürfte es außerdem ein leichtes sein, Charakteristiken für seinen Charakter zu erstellen und mit passenden Aspekten zu versehen. Wir alle sind mit den Sprichwörtern wie ein Sturer Esel oder schuften wie ein Ochse sehr vertraut. Solche plakativen Setzungen können auch schön ins Gegenteil gedreht oder als Sprungbrett für neue Ideen genutzt werde. Eine grundsätzliche Vorstellung vom feudalen Japan haben auch die Meisten. Somit ist die Einstiegshürde in das Setting sehr gering. Genau das sind die Gründe weshalb ich dieses Setting gerne für One-Shots oder sogar für Einstiegsrunden zu Fate nutze. Jeder ist wahnsinnig schnell in der Hintergundwelt und es kann direkt losgespielt werden. Weil Aspekte und andere Fate-Mechaniken sehr gut auf dieses Setting anwendbar sind, findet der ganze Spieltisch einen einfachen Zugang zur Anwendung von Regeln. Perfect Match.
Wer mag kann sich gerne Lichtbringers Adaption von Fabeltieren mit Turbo-Fate namens Reineke Fate in Tschernobyl durchlesen. Hier finden sich einige grundlegende Tipps die man mit ins feudale Japan tragen kann. Der vollständigkeithalber sei noch das Usagi Yojimbo Rollenspiel erwähnt.

Usagi Yojimbo in Deutschland

Das erste mal stieß ich auf Usagi Yojimbo im C64-Klassiker Samurai Warrior – The Battles of Usagi Yojimbo von dort war dann der Weg nicht weit zum Comic.
Die Comicserie „Usagi Yojimbo“ läuft seit mehr als 30 Jahren erfolgreich in Amerika – in Deutschland scheiterte sie leider bereits zum zweiten Mal. Nachdem der langohrige Titelheld Miyamoto Usagi bei Carlsen und Schwarzen Turm erschien, nimmt sich nun ein neuer Verlag des tierischen Samurais an: der Dantes Verlag. Dabei folgt der Verlag den bei Fantagraphics und Dark Horse verlegten US-Sammelbänden.
Zur Übersicht: Der Inhalt der US-Bände 1 bis 8 ist auf Deutsch größtenteils bereits bei Carlsen (1996–1997) und vor allem beim Schwarzen Turm (2001–2010) erschienen. Wer es ganz genau wissen möchte, findet hier eine Übersicht aller auf Deutsch vorliegenden Geschichten. Wer die Schwarzer-Turm-Edition sein Eigen nennt, kann mit Band 8 – Im Schatten des Todes – in die Dantes-Ausgaben einsteigen. Der Erzählfaden wird in Kapitel „Shi II“ wieder aufgenommen.

Wer oder was ist Usagi Yojimbo?

Miyamoto Usagi ist ein Hase und Ronin der sich als als Yojimbo (‚Bodyguard’) im feudalen Japan verdingt. Meistens folgt er dem Weg des Kriegers und lässt sich wie ein Blatt im Wind vom Schicksal leiten. Dabei trifft er in der von Stan Sakai erdachten und von anthropomorphisierten Tierfiguren bevölkerten Welt auf allerlei Abenteuer. Wer glaubt, dass Setting sei ein reines Hirngespinst, wird überrascht von dem akkurat recherchiertes Japan des 17. Jahrhunderts sein, wenngleich nebst den angesprochenen Tieren auch allerlei Monster und Dämonen ihr Unwesen treiben.
In den Abenteuern des alles andere denn hasenfüßigen Schwertkämpfers, der Banditen, anderen Ronin, Ninja und vielem mehr gegenübertritt, wird ständig gekämpft, duelliert, gemeuchelt, überfallen und politisch intrigiert. Selbstverständlich wird auch getötet, woraufhin die Strebenden ihr Leben in einer letzten ikonischen Sprechblase mit einem Totenschädel aushauchen.
Überhaupt sind der Detailgrad und die wiederkehrenden Elemente besonders hervorzuheben. Wer die Comics liest, sieht sich einer Handlung gegenüber, die direkt am Spieltisch eingesetzt oder so vorkommen könnte. Beim lesen ertappte ich mich immer wieder bei dem Gedanken, dass diese Szene so, wie sie ist, wunderbar mit den Fate–Mechaniken funktioniert. Sei es ein voller Erfolg, ein Erfolg mit Haken oder dass einer der Protagonisten oder Antagonisten gerade einen Konflikt aufgibt.

Wem die Mischung aus Tieren und feudalen Japan noch nicht genug Inspiration ist und die Comics nicht reichen, der kann sich auch durch das famose Legend of the Five Rings inspirieren lassen.

Noch kurz nachgeschoben…

Im Dantes Verlag soll auch in Kürze ein erneutes Aufeinandertreffen der Teenage Mutant Ninja Turtles mit Usagi Yojimbo veröffentlicht werde. Ein in meinen Augen ebenfalls sehr spielenswertes Setting das sich mit Fate Core und Tianxia wunderbar abbilden lässt.

Eine kleine Randbemerkung als Malmsturm-Teammitglied sei mir noch gestattet: Im selben Verlag erscheint auch Sláine.

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